{"id":361,"date":"2023-10-12T16:39:09","date_gmt":"2023-10-12T16:39:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/?page_id=361"},"modified":"2023-10-12T16:43:26","modified_gmt":"2023-10-12T16:43:26","slug":"empfehlungen-des-beirates-an-die-plenarversammlung-der-kmathf-zu-bachelor-masterabschluessen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/kmathf\/kmathf-standpunkte\/empfehlungen-des-beirates-an-die-plenarversammlung-der-kmathf-zu-bachelor-masterabschluessen\/","title":{"rendered":"Empfehlungen des Beirates an die Plenarversammlung der KMathF zu Bachelor-\/ Masterabschl\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">Dresden, den 15.5.99<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Mathematikstudium in seiner jetzigen Form mit dem Diplom als Abschluss hat sich \u00fcber Jahrzehnte entwickelt und bew\u00e4hrt. Dies gilt auch f\u00fcr inzwischen etablierte Varianten wie Technomathematik oder Wirtschaftsmathematik. Das Diplom bildet den berufsqualifizierenden Abschluss des Mathematikstudiums; es ist die Grundlage einer m\u00f6glichen Promotion und die bew\u00e4hrte Eingangsvoraussetzung in die verschiedensten Berufst\u00e4tigkeiten des Mathematikers in Industrie, Finanzwirtschaft und Forschung. Die KMathF hat mehrfach betont, dass Absolventen der Diplomstudieng\u00e4nge in Mathematik keine Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden, und erfolgreich in ihrem Beruf arbeiten. Unter diesem Aspekt der erfolgreichen Berufsqualifikation von Mathematikern besteht zun\u00e4chst kein Anlass, in der Mathematik neue Abschl\u00fcsse zu diskutieren. Wenn solche neuen Abschl\u00fcsse dennoch geschaffen werden, sollten sie auf keinen Fall die Stellung des traditionellen Diplomstudiengangs gef\u00e4hrden und insbesondere nicht den Wert des Mathematik-Diploms herabsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aspekte, die bisher f\u00fcr die Diskussion neuer Abschl\u00fcsse sprachen, waren zum einen die M\u00f6glichkeit, das Studium zwischen dem Vordiplom und dem Diplom zu beenden, ohne als Abbrecher zu gelten, zum anderen die M\u00f6glichkeit, nach dem Vordiplom bzw. Diplom das Studium im Ausland fortzusetzen. Diese Kompatibilit\u00e4t mit ausl\u00e4ndischen Studiensystemen wurde h\u00e4ufig als Grund angef\u00fchrt, Bachelor- und Masterabschl\u00fcsse anzubieten (dabei spielte wohl auch der Aspekt eine Rolle, dass man mit Bachelor- und Masterabschl\u00fcssen vermehrt ausl\u00e4ndische Studierende f\u00fcr deutsche Universit\u00e4ten anwerben m\u00f6chte). Daneben werden aber in letzter Zeit von einzelnen mathematischen Fachbereichen neue Studieng\u00e4nge diskutiert, die Mathematik mit den verschiedensten Anwendungsf\u00e4chern kombinieren und im Rahmen eines 6-semestrigen Studiums zu einem Bachelorabschluss f\u00fchren (z.B. Scientific Computing oder Computational Engineering). Angesichts der zunehmenden Mathematisierung aller Ingenieur- und Naturwissenschaften, der Informatik und insbesondere der Wirtschaftswissenschaften kann ein solcher Bachelor in Mathematik in Verbindung mit einem anschlie\u00dfenden Master in einem Anwendungsgebiet eine sinnvolle Kombination darstellen und den Interessentenkreis f\u00fcr eine Mathematikausbildung vergr\u00f6\u00dfern, ohne den Kern der Studierenden der Mathematik zu verkleinern. Um die ersten der genannten Ziele zu verwirklichen (Zwischenabschluss f\u00fcr Abbrecher, Kompatibilit\u00e4t mit dem Ausland), w\u00e4re es nicht notwendig, einen separaten Bachelorstudiengang zu installieren, vielmehr k\u00f6nnte ein Bachelorabschluss im Rahmen des Diplomstudiums angeboten werden. Viele der jetzt schon vorliegenden und zum Teil genehmigten Modelle f\u00fcr Bachelorabschl\u00fcsse an den mathematischen Fachbereichen folgen deshalb auch diesem Prinzip und betten das Bachelorstudium in den bestehenden Diplomstudiengang ein. F\u00fcr den zweiten genannten Aspekt (neue Studieng\u00e4nge in der Mathematik bzw. neue Studieng\u00e4nge mit einer Kombination aus Mathematik und Anwendungsfach) erscheinen separate Studieng\u00e4nge schon sinnvoller, wobei hier der Aufbau \u00fcber Bachelor und anschlie\u00dfendem Master gegen\u00fcber traditionellen Diplomstudieng\u00e4ngen den Vorteil gr\u00f6\u00dferer Kombinationsm\u00f6glichkeiten bietet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion, ob Bachelorabschl\u00fcsse eher im Rahmen traditioneller Diplomstudieng\u00e4nge oder in separaten Studieng\u00e4ngen angeboten werden sollten, ist durch die Beschl\u00fcsse der Kultusministerkonferenz vom 5.3.1999 auf eine neue Basis gestellt worden. Nach diesen Beschl\u00fcssen sind Bachelor- und Masterabschl\u00fcsse grunds\u00e4tzlich nur in eigenst\u00e4ndigen Studieng\u00e4ngen erlaubt, die v\u00f6llig separat von traditionellen Diplomstudieng\u00e4ngen angeboten werden m\u00fcssen. Es wird allerdings erlaubt (vielleicht sogar gew\u00fcnscht?), dass gleiche Studienangebote genutzt werden. Angesichts der KMK-Beschl\u00fcsse scheint es nicht mehr m\u00f6glich, einen Bachelorabschluss im Rahmen eines Diplomstudiengangs vorzusehen oder umgekehrt eine Vordiplomspr\u00fcfung im Rahmen eines Bachelorstudiengangs zu fordern. Auch die zun\u00e4chst naheliegende Vergabe eines Doppelabschlusses Diplom\/Master am Ende eines Studiums ist durch die KMK-Beschl\u00fcsse ausdr\u00fccklich ausgeschlossen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der KMK-Beschl\u00fcsse ist die Forderung, dass Bachelorstudieng\u00e4nge und Masterstudieng\u00e4nge grunds\u00e4tzlich modularisiert und mit Credit Points versehen sein m\u00fcssen. Ein traditioneller Studienaufbau mit Abschlusspr\u00fcfung wird damit in diesen F\u00e4llen wohl nicht mehr genehmigt werden. Positiv zu vermerken ist, dass die KMK die Vergleichbarkeit von Bachelor-\/Masterstudiengang auf der einen Seite und Diplomstudiengang auf der anderen Seite explizit hervorhebt. Zum einen bedeutet dies, dass \u00dcberg\u00e4nge zwischen den beiden Ausbildungskonzepten in beiden Richtungen m\u00f6glich sein sollen, zum anderen wird die Gleichwertigkeit des Diplomabschlusses mit dem Masterabschluss festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgenden Empfehlungen des Beirates an die Plenarversammlung der KMathF beziehen sich auf die KMK-Beschl\u00fcsse und konzentrieren sich deshalb auf die Aspekte von Bachelor- und Masterstudieng\u00e4ngen, die diese Vergleichbarkeit zum Diplomstudiengang betreffen. Der wesentliche Aspekt ist dabei die Sicherung der Qualit\u00e4t, die einen \u00dcbergang vom Bachelorstudiengang zum Diplomstudiengang und eine Vergleichbarkeit des Masterabschlusses mit dem Diplomabschluss garantieren soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ein&nbsp;Bachelorstudium&nbsp;(ebenso wie ein Masterstudium) nach den KMK-Beschl\u00fcssen in Zukunft nur noch in ganzj\u00e4hrigen Zyklen festgelegt werden darf, kommen f\u00fcr die Dauer des Bachelorstudiums nur 3 oder 4 Jahre in Frage. Ein 4-j\u00e4hriger Ausbildungsgang liegt nahe, wenn ein Praktikum vorgesehen wird oder 1 bis 2 Auslandssemester eingebaut werden. Es ist aber zu beachten, dass ein auf das Bachelorstudium aufbauendes Masterstudium ebenfalls nur 1 bzw. 2 Jahre dauern darf. Im Hinblick auf die weiter unten diskutierte Vergleichbarkeit der Master-Thesis mit der Diplomarbeit erscheinen bei einem Master in Mathematik 2 Jahre unverzichtbar. Die Gesamtstudiendauer Bachelor\/Master ist aber von der KMK auf 5 Jahre beschr\u00e4nkt worden, so dass sich damit eine 4-j\u00e4hrige Bachelorausbildung verbietet (jedenfalls dann, wenn an einen sp\u00e4teren Aufbau mit einem Masterstudiengang gedacht ist). Angesichts der Diskussion \u00fcber die Berufsqualifikation eines Bachelorabschlusses einerseits und eines Diplomabschlusses andererseits erscheint es auch sinnvoll, den Unterschied zwischen diesen beiden Abschl\u00fcssen in der Studiendauer zu dokumentieren und den Bachelor nicht zu sehr in die N\u00e4he des Diploms zu r\u00fccken. Geht man also von einem 6-semestrigen Bachelorstudium aus, so sollten die ersten 4 Semester in der Mathematikausbildung qualitativ dem Grundstudium zum Diplom entsprechen, der zugeh\u00f6rige Pr\u00fcfungsanteil am Bachelorabschluss also auch mit dem Vordiplom vergleichbar sein (man beachte hier den oben angesprochenen Zwang der Modularisierung, der allerdings nicht so kritisch sein d\u00fcrfte, weil das Grundstudium an vielen mathematischen Fachbereichen schon weitgehend modularisiert ist). Die Ausbildung im 5. und 6. Semester sollte so gestaltet sein, dass die Qualit\u00e4t eines Bachelorabschlusses dem Stand eines Studierenden am Ende des 6.Semesters im Diplomstudium entspricht. Dies w\u00fcrde zum einen den \u00dcbergang nach dem Vordiplom in den Bachelorstudiengang erm\u00f6glichen wie umgekehrt den \u00dcbergang nach einem Bachelorabschluss in den Diplomstudiengang. Im Hinblick auf die M\u00f6glichkeit, mit dem Bachelorabschluss in die Berufst\u00e4tigkeit zu wechseln, sollte zus\u00e4tzlich zu den modular abgepr\u00fcften Fachkenntnissen die Abfassung einer Bachelorarbeit (als Studien-, Projekt- oder Seminararbeit) verbindlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen&nbsp;Masterstudiengang&nbsp;sind nach Beschluss der KMK 1 oder 2 Jahre Studienzeit vorgesehen. Angesichts der postulierten Gleichwertigkeit des Masterabschlusses mit dem Diplom sind im Hinblick auf die daraus folgende Vergleichbarkeit der Master-Thesis mit der Diplomarbeit 2 Jahre (also 4 Semester) unverzichtbar. Ein Masterstudium sollte deshalb qualitativ den letzten 4 Semestern eines Diplomstudiums entsprechen, also das entsprechende Studienangebot des Hauptstudiums nutzen. Als wesentlicher Bestandteil der Ausbildung und als Pr\u00fcfungsleistung erscheint eine Master-Thesis unverzichtbar. Sie sollte in ihrer Qualit\u00e4t der Diplomarbeit entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Falls eine Bachelor-\/Masterausbildung parallel zu einem bestehenden Diplomstudiengang im Bereich der Mathematik angeboten werden soll, ergibt sich aus den aufgef\u00fchrten Aspekten zwangsl\u00e4ufig eine Gesamtstudiendauer von 5 Jahren. Angesichts der von der KMK in ihren Beschl\u00fcssen geforderten Durchl\u00e4ssigkeit zwischen beiden Ausbildungskonzepten und im Hinblick auf die ebenfalls in den KMK-Beschl\u00fcssen festgeschriebene Vergleichbarkeit des Masterabschlusses mit dem Diplom, ergibt sich daraus die Konsequenz, dass auch das Diplom in Mathematik eine Studienzeit von 10 Semestern erfordert. Diese Forderung wird schon seit Jahren von allen Fachgremien (KMathF, DMV, Fachkommission Mathematik der HRK, Fachkommission Mathematik der GemKo) erhoben und wurde mehrfach inhaltlich begr\u00fcndet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dresden, den 15.5.99 Das Mathematikstudium in seiner jetzigen Form mit dem Diplom als Abschluss hat sich \u00fcber Jahrzehnte entwickelt und &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":86,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-361","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=361"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":362,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/361\/revisions\/362"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/86"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}