{"id":321,"date":"2023-10-12T01:01:56","date_gmt":"2023-10-12T01:01:56","guid":{"rendered":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/?page_id=321"},"modified":"2023-10-12T01:19:23","modified_gmt":"2023-10-12T01:19:23","slug":"ueber-den-beruf-des-gymnasiallehrers-und-ueber-die-ansprueche-an-die-universitaetsausbildung-aus-der-sicht-der-schule","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/kmathf\/kmathf-standpunkte\/reform-der-lehrerausbildung\/ueber-den-beruf-des-gymnasiallehrers-und-ueber-die-ansprueche-an-die-universitaetsausbildung-aus-der-sicht-der-schule\/","title":{"rendered":"\u00dcber den Beruf des Gymnasiallehrers und \u00fcber die Anspr\u00fcche an die Universit\u00e4tsausbildung aus der Sicht der Schule"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">von&nbsp;<em>Arnold a Campo<\/em>, Oberstudiendirektor, Hagen, Bundesvorsitzender des Vereins zur F\u00f6rderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ver\u00e4nderten Anforderungen an einen Mathematiklehrer in der aktuellen gesellschaftlichen Situation m\u00fcssen in der Ausbildung an den Universit\u00e4ten Ber\u00fccksichtigung finden. 6 Kategorien kennzeichnen den Lehrerberuf heutzutage:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\">\n<li>das Unterrichten<\/li>\n\n\n\n<li>das Erziehen<\/li>\n\n\n\n<li>das Beraten<\/li>\n\n\n\n<li>das Beurteilen<\/li>\n\n\n\n<li>das Innovieren<\/li>\n\n\n\n<li>das Organisieren, Verwalten, Berichten.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verschieben die Gewichte innerhalb der Kategorien zu Ungunsten des Unterrichtens. Der Schwerpunkt der Universit\u00e4tsausbildung muss trotzdem im Unterrichten und Innovieren sowie additiv im Erziehen liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gymnasium braucht uneingeschr\u00e4nkt mathematisch hervorragend ausgebildete Lehrer. Sie m\u00fcssen examensrelevant nachweisen, dass sie mathematisch wissenschaftlich arbeiten k\u00f6nnen. Sie brauchen aber nicht den Ausbildungsstand eines Diplommathematikers zu haben. Die Ansicht: &#8220; ein guter Mathematiker wird sich die fehlenden Qualifikationen f\u00fcr den Lehrerberuf schon schnell selbst aneignen k\u00f6nnen&#8220; ist aus der Erfahrung der Studienseminare und Schulen im Allgemeinen falsch. Ebenso unsinnig ist der Umkehrschluss, dass ein als Erzieher und Sozialarbeiter ausgebildeter Lehrer die am Gymnasium notwendige Mathematik sich schon aneignen kann. Es wird h\u00f6chste Zeit, die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber diese von gro\u00dfem Egoismus gepr\u00e4gten Standpunkte ersatzlos abzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehramtsstudenten m\u00fcssen zus\u00e4tzlich zur sinnvollen Fachausbildung angemessen fachdidaktisch, medienmethodisch und erziehungswissenschaftlich qualifiziert werden. Der Gedanke an einen Lehrer mit nur einem Fach sollte wegen der beschr\u00e4nkten Einsetzbarkeit im Beruf und der zu bef\u00fcrchtenden Einseitigkeit nicht weiterverfolgt werden, insbesondere nicht in Zeiten, in denen fach\u00fcbergreifende und f\u00e4cherverbindende Curricula Vorrang vor anderen \u00dcberlegungen haben..<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielmehr muss \u00fcber Synergieeffekte im Studium und Beruf durch die Kopplung affiner F\u00e4cher befunden werden. Der Mangel an qualifizierten Lehrern in Mathematik an den Gymnasien wird sich in einem dramatischen Umfang zuspitzen. Politische \u00dcberlegungen gehen bereits von einem nicht zu vermeidenden fachfremd erteilten Unterricht aus. Deswegen m\u00fcssen alle Anstrengungen der Hochschulen dahin gehen, z\u00fcgig fachlich und fachdidaktisch und medienmethodisch qualifizierten Nachwuchs hervorzubringen. Nach meiner Einsch\u00e4tzung sind dazu strukturelle Ver\u00e4nderungen (wie z.B. das Studium in einen fachwissenschaftlichen Teil und einen darauf folgenden erziehungswissenschaftlichen Teil zu spalten) ebenso kontraproduktiv wie \u00fcberzogene fachwissenschaftliche Anforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem bislang Dargelegten ergeben sich f\u00fcr mich folgende Forderungen an die Ausbildungsgestaltung an den Hochschulen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\">\n<li>Die Ausbildung von Lehrern muss genauso ernst genommen werden wie die der Diplomanden.<\/li>\n\n\n\n<li>Im Interesse einer guten fachlichen Bildung sollten Lehramtsstudenten und Diplomstudenten an den Anf\u00e4ngervorlesungen gemeinsam teilnehmen. Da Personalressourcen fehlen, wird ohnehin nichts anderes \u00fcbrig bleiben.<\/li>\n\n\n\n<li>Lehramtsstudenten m\u00fcssen forschungsorientiertes, wissenschaftliches Arbeiten exemplarisch kennen lernen und nachweisen.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr mittlere Semester m\u00fcssen eigene Vorlesungen mit \u00dcberblickscharakter konzipiert werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Lehrangebot muss fach\u00fcbergreifende Teile enthalten und auf Anwendungen der Mathematik hinzielen.<\/li>\n\n\n\n<li>Examensrelevant m\u00fcssen sich Studenten mit dem fachdidaktisch verantwortbaren sinnvollen Einsatz der Neuen Medien in alten und neuen Zusammenh\u00e4ngen auseinandersetzen. Durch das Zusammenwirken affiner Fachschaften lassen sich Synergieeffekte erzielen. Dazu m\u00fcssen vielf\u00e4ltige Angebote gemacht werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Fachdidaktische und schulpraktische Veranstaltungen m\u00fcssen fr\u00fchzeitig ( etwa ab dem dritten Semester) erfolgen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ausbildung und Fortbildung m\u00fcssen enger verzahnt werden. Ein Austausch (auch personell) zwischen Hochschulen, Studienseminaren und Schulen muss gewinnbringend und effektiv systematisch aufgebaut werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit:<\/strong>&nbsp;Wenn die Hochschule sich fordern l\u00e4sst, die Lehrerausbildung im oben beschriebenen Sinn zu ver\u00e4ndern und zu f\u00f6rdern, dann wird sich der Mathematikunterricht in Deutschland durch angemessen ausgebildete, fachlich und fachdidaktisch sowie medienmethodisch versierte, f\u00fcr Innovationen offene Lehrkr\u00e4fte schon bald grundlegend positiv zur Zufriedenheit der &#8222;Abnehmer&#8220; ver\u00e4ndern lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme, die sich f\u00fcr das Unterrichten von und Begeistern f\u00fcr Mathematik durch die vielen au\u00dferunterrichtlichen Aufgaben und Belastungen des Lehrers ergeben, m\u00fcssen schnellstens gesellschaftlich und politisch gel\u00f6st werden. Der Lehrer muss sich auf die ersten f\u00fcnf der oben genannten sechs Kategorien seiner T\u00e4tigkeit vorrangig zur\u00fcckbesinnen d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von&nbsp;Arnold a Campo, Oberstudiendirektor, Hagen, Bundesvorsitzender des Vereins zur F\u00f6rderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts (MNU) Die ver\u00e4nderten Anforderungen an &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":318,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-321","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=321"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":322,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/321\/revisions\/322"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kmathf.de\/Home\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}